Tonga – oder zwölf Tage authentische Tropen

Nach drei Monaten in Neuseeland müssen wir ausreisen. Ich wollte schon immer mal auf eine Insel im Südpazifik. Also haben wir uns ein Ticket nach Tonga gebucht. „Warum denn eigentlich Tonga?“, fragen uns in Neuseeland viele. Es gilt nicht als das Traumziel der Südsee. Aber es war das günstigste und nächstgelegene Reiseziel. Und ich bin im Nachhinein so froh, dass wir uns nicht für Fidschi entschieden haben. Auch ich musste erst mal nachschauen, wo dieses Königreich überhaupt liegt. Es ist quasi das erste Land der Erde. Hier beginnt jeder neue Tag. Die Nachbarn im Osten sind immer im Gestern über der verrückten Datumsgrenze. 100.000 Menschen leben hier und schätzungsweise weitere 100.000 Exil-Tongaer in Neuseeland und Australien.

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176 Inseln umfasst das Reich von König Tupou VI. Wir waren nur auf zwei davon.

Falls im Kreuzworträtsel irgendwann die Frage nach der Hauptstadt von Tonga kommt, weiß ich es jetzt: Nuku’alofa liegt auf Tongatapu, auf der die meisten Menschen leben. Es gibt hier lustige Wörter wie pongipongi (der Morgen). Manche Dinge werde ganz ulkig aus anderen Sprache übernommen wie sokaleti (Schokolade) und Sisu Kalaisi (Jesus Christus). Die Kirche spielt sowieso eine sehr wichtige Rolle. Auch wir haben eine Sonntagsmesse besucht und dem herrlichen mehrstimmigen Gesang gelauscht, der die ganze Kirche erfüllte.

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Auch Essen ist sehr wichtig für die Tongaer.

Da wir unbedingt in die Kirche wollten, in die der König sonntags geht, meinte Selina im Hostel: „So könnt ihr unmöglich gehen!“ Also haben wir Trekkinghosen gegen Röcke getauscht und uns schick gemacht.

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Naja…zur Handtasche hat’s dann doch nicht gereicht.

Selina ließ es sich nicht nehmen, uns auch die Haare zu machen.

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Selina mit ihren Modellen. Keine fünf Minuten brauchte sie!

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Wir hoffen, dem König und seiner Königin hat es gefallen.

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Auch die Jungs tragen Röcke.

Auf einer Inseltour haben wir die Highlights von Tongatapu kennengelernt.

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Das natürliche Felsentor an der Steilküste.

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Die Blowholes.

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Die Flughunde.

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Sie sind Vegetarier!

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…und die einzige dreiköpfige Palme der Welt. Darauf sind sie besonders stolz. Denn jeder Bus- und Taxifahrer weist die wenigen Touristen darauf hin.

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Fischfalle.

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Fischer am Strand.

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Ausflug zur Nachbarinsel Pangaimotu.

James Cook hat die Inseln 1777 „Friendly Islands“ (Freundschaftsinseln) getauft. Und ich kann ihm auch 250 Jahren später nur zustimmen. Die Menschen sind Fremden gegenüber super nett und offen. Nie kam eine Kolonialmacht an, die sich über sie gestellt hätte, um zu sagen wo’s langgeht. Tonga ist so herrlich authentisch geblieben. Ich liebe es und freue mich, dass Deutschland schon vor langer Zeit einen „Immerwährenden Freundschaftsvertrag“ mit dem Königreich abgeschlossen hat.

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Frauen in ihrer feierlichen Tavala.

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Schulkinder aus dem Heimweg. Die Alphabetisierungsrate liegt bei 98%.

Aber trotzdem blieb die Zeit auch hier nicht stehen. Uns fallen besonders die vielen Chinesen auf. Wir fragen Selina, was sie davon hält: Sie tippt darauf, dass die nur auf die Satellitenplätze, die Tonga im Weltall registriert hat, aus sind. Das kleine Land hat einmal 30 Parkplätze für seine Satelitten reserviert, obwohl sie wohl kaum so viele hochschicken können.

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An vielen Stellen hängen diese Schilder.

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Plastikschrott aus China schafft es scheinbar überall hin!

In Tonga dreht sich auch viel um Essen. Dick gilt bei vielen als schön. Der Bodymassindex ist hier wohl überdurchschnittlich hoch. Lustigerweise rief König Tupou IV vor einigen Jahren zum Abmagern auf. Er versprach ein Preisgeld von 500$ für denjenigen, der am meisten abnehmen würde.

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Roher Fisch mit Tapioka und Lammcurry. Ansonsten essen wir viel frischen Fisch.

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Hier dachten wir, es gäbe Schwein aus dem Erdofen, doch das Tier hatte einen langen Schanz. Manchmal isst man hier auch Hunde. Wir haben danach kein Fleisch mehr gegessen.

In der Hauptstadt saugen wir die Atmosphäre ein. Man nennt sich „The true pacific“!

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Als es stark regnet sind die Straßen voller Menschen. Die Tongaer lieben den Regen als Abkühlung. Ein junger Kerl hat sich sogar im Vorbeigehen eingeseift!

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Tapioca und Bananen auf dem Markt.

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Süßkartoffeln im Palmkorb.

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Hausgebraute Säfte gegen alles: Hautkrankheiten, Magenbeschwerden, Zucker und sogar Krebs.

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Vor lauter Hitze stellt sich die Polizeikapelle in den Schatten.

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Wieder was gelernt: Ich kann jetzt eine Kokosnuss wie die „Locals“ knacken!

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Prost!

Die meiste Zeit verbringen wir aber am Strand in der Heilala Holiday Lodge. „Endlich Urlaub und nix machen“, denken wir uns (denn nach dem ganzen Radfahren tut etwas Erholung gut). Aber dann nähert sich der Zyklon Winston. Außerdem bebt die Erde in der gleichen Nacht mit 5,7 auf der Richterskala. Ich denke an einen möglichen Tsunami auf diesem flachen Eiland. Wir wissen nicht, ob der Sturm wieder zurück kommt, sind ein wenig beunruhigt und lassen unsere Taschen gepackt. Dann fiebert Denise und liegt mehrere Tage krank im Bett. Verdacht auf Dengue, obwohl sie immer so gut aufpasst mit den Moskitos!

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Südsee-Idylle?

Auch wenn der Zyklon nur an uns vorbeischrammt, haben wir die Kraft des Windes gespürt. Winston trifft dann als stärkster Sturm der Geschichte auf unseren Nachbarn Fidschi. Verhehrend und bis zu 325km/h schnell – wir sind schockiert und wissen, dass dieser „Monster-Sturm“ genauso gut uns hätte treffen können. Es ist schwer vorstellbar für mich, in einem solchen Land zu leben. Tongatapu gehört außerdem zu den ersten Inseln, die beim Anstieg des Meeresspiegels abtauchen werden. Da bekomme ich echt ein schlechtes Gewissen wieder ins Flugzeug zu steigen, um nach Neuseeland zu fliegen. Das verbessert meine CO2 Bilanz und das Klima nicht gerade…

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Als Denise wieder fit ist, springen wir noch schnell und denken an die Menschen in Fidschi!

2 Antworten zu “Tonga – oder zwölf Tage authentische Tropen

  1. You have had another series of experiences to add to your list – an island, an earthquake, a storm and a beautiful beach. I am sure you both deserved the rest after all your cycling. I hope Denise is well again

    • Hey Karen. Tonga was quite something! But it’s really worth visiting. Maybe better outside cyclone-season:) Denise is better and we head out for to the mountains today!

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