It`s time to go home…

Seit Tagen und vielleicht sogar seit Wochen frage ich mich immer wieder: „Wie ist das Gefühl nach einem Jahr und sieben Monaten nach Deutschland zurück zu kehren? Wie fühlt sich ein Alltag an? Werden wir uns rasch eingewöhnen?“ All meine Fragen kann ich in diesem Moment wahrscheinlich gar nicht beantworten. Dafür müssen wir gleich erst mal ins Flugzeug steigen und am Donnerstag in Frankfurt landen. Unsere Räder sind schon eingecheckt und werden hoffentlich mit uns in Frankfurt ankommen.

Denn um uns der Heimat langsam zu nähern und um eine Art Entschleunigung in Gang zu setzen, haben wir beschlossen nicht in den Zug zu steigen, sondern heim zu radeln (auch wenn es noch recht winterlich ist). Der Sprung vom sommerlichen Neuseeland und dem Gefühl der vollkommenen Freiheit zurück ins winterliche Deutschland ist uns einfach zu groß!

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Langsam wie dieser hübsche Gelbaugen-Pinguin in  Neuseeland, werden wir uns der Heimat nähern.

Bereichert hat uns diese Reise ungemein. Wir durften, dank unserer Hilfe auf kleinen Farmen, Menschen kennenlernen, die ihr Leben genauso leben, wie sie es wollen. Außerdem durften wir selbst jede Menge Erfahrungen sammeln und Dinge ausprobieren, die wir daheim niemals gemacht hätten. Dabei denke ich z.B. an Lachse angeln, auf einem Campingplatz arbeiten, Ahornsirup herstellen, bei der Kaffeeproduktion behilflich sein, Heu machen, bei der Geburt von Ferkelchen Hebammen spielen, eine verrückt gewordene Kuh wieder einsammeln gehen und als Wurstverkäuferin hinter dem Tresen zu stehen. Vieles habe ich im Kopf, was ich mir gerne mitnehmen möchte von dieser Reise. Und ich habe mir fest vorgenommen, diese Dinge im Alltag nicht zu vergessen!

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Ruhe und Gelassenheit – auch das möchten wir uns mit in den Alltag nehmen.

Ich kann mich dran erinnern, dass Luzi 2013 den Blogrtikel vor unserer letzten Heimkehr mit den Worten begonnen hat „Knöpfe springen ab, Hosen reißen…“. Um mich dem anzuschließen, mal eine kleine Auswahl an Dingen, die in den letzten Monaten den Geist aufgegeben haben: 2 sich selbstaufblasende Luftmatratzen, unser rotes Haus (Zelt), Luzis Laptopbildschirm, ein Kameraobjektiv, Stativ, Hosen, ein Paar Wanderschuhe, Sandalen, Videofunktion der Kamera, Fahrradteile (Schalthebel, Schaltzug, pro Fahrrad 3 Ketten, Freilauf, 2 neue Kasetten, 1 Kurbel, Tretlager, 8 neue Bremsbeläge). Auch unterwegs gilt, je mehr man dabei hat, desto mehr kann auch kaputt gehen. Daheim erwarten uns eingelagerte Kisten, die uns wahrscheinlich in ihrer Menge erschlagen werden. Denn vermisst von all dem haben wir gar nichts. Weniger ist mehr – auch daran möchte ich mich zu Hause erinnern!

Nach tausenden Kilometern, gibt auch die Radhose den Geist auf. Schweren Herzens trennt sich Luzi von diesem feschen Schmuckstück.

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Unsere Fahrradketten. Auch aus Abfall kann noch etwas entstehen: Ich nenne es „Hommage an Kiwi-Land“

Sich für wichtige Dinge Zeit nehmen, Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden, entschleunigen, nicht zu viel Besitz anhäufen, ein Leben führen, in dem ich mich wohlfühle und gastfreundlich gerade auch zu Fremden sein. Das werden wohl in den Tagen, Wochen, Monaten daheim meine Vorsätze sein. Beim letzten Punkt denke ich auch an die vielen, vielen Flüchtlinge in Deutschland und bin gespannt, wie die Stimmung ist. Wir haben unterwegs oft mit Menschen darüber gesprochen und festgestellt, dass die allermeisten Deutschland für das Engagement bewundern. Denen, die dem Thema „Flüchtlingen“ negativ gegenüber standen, haben wir die Frage gestellt: „Was müsste in deinem Land passieren, dass du von daheim in ein vollkommen fremdes Land, in eine völlig fremde Kultur flüchtest?“. Und in einem kriegsfreien, wohlhabenden Land geboren worden zu sein, ist doch einfach nur Glück. Uns wäre eine solche Reise vielleicht auch nicht möglich, wenn es das Schicksal anders mit uns gemeint hätte. Darüber werden wir uns während des Reisens immer wieder bewusst und sind dankbar für die uns gegebenen Möglicheiten.

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Wir sind dankbar über all das staunen zu dürfen. Im Hintergrund ist der Mount Cook, der höchste Berg Neuseelands zu erkennen.

Unser Reiseziele werden uns natürlich auch künftig nicht ausgehen. Das Problem ist, dass wir immer mehr von dieser Welt sehen möchten, je mehr wir reisen. Unsere Liste wird nicht kürzer, sondern länger! Das Radfahren ist für uns die beste Art Mensch und Natur zu begegnen. Und 10.000 Kilometern auf dem Rad, haben uns nicht nur Wadenmuskeln und Hornhaut am Hintern beschert, sondern auch Lust auf mehr…

Unsere Räder waren oft der "Türöffner" für Gespräche und so viele inspirierende Begegnungen.

Unsere Räder waren oft der „Türöffner“ für Gespräche und so viele inspirierende Begegnungen.

Aber jetzt heißt es erstmal: heimkehren und Familie, Freunde, kulinarische Highlights und ein eigens Bett genießen!

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Auch den neuen Herausforderungen daheim nehmen wir uns springend an. Hier unser letzter Sprung in Neuseeland. Schön war’s…

 

 

9 Antworten zu “It`s time to go home…

  1. Liebe Luzia, liebe Denise,
    eine gutes Wiederankommen wünsche ich euch.
    Ich bin zu Tränen gerührt von euren Worten, die so gut unsere Gefühle und Gedanken beschreiben, die wir bei/seit unserem Sabbatical hatten/haben… Danke dafür.
    Herzallerliebste Grüße
    Anette

  2. Ach ihr Zwei. Ich bin total berührt von euren Erlebnissen, von euren Texten und Fotos. Aber vor allem von den Gedanken in diesem Blogposts. Ich wünsche euch ein gutes Ankommen im deutschen Zuhause (eigentlich seid ihr ja überall Zuhause) und dass eure Seelen auch bald nachkommen 🙂

    Freue mich auf euch

  3. Hallo ihr 2
    Toll dass ihr wieder da seit . Vielleicht sehen wir uns ja mal .
    Ach übrigens , wenn ich mal ne tolle Sängerin zitieren darf , reißt es sich eindeutig besser mit leichtem Gepäck .

  4. Irgendwie ging der letzte Post an mir vorbei…. Jetzt wollte ich mal schauen wo ihr gerade steckt. Was für ein ergreifender und schöner letzter Reiesebericht. Ich hoffe ihr hattet eine gute Rückreise und seid gut angekommen. Lebt euch gut ein unf wir freuen uns auf ein Wiedersehen und alle Reiseberichte nochmal live zu hören.:-))

  5. Hi Luzia and Denise!! Yes, do not forget all the things that made you smile and touched your heart. You will always come back from travel with treasures that are priceless. We wish you all the best, and if you are ever back in Prince George, be sure to stop in. Hugs, Barb and Les Barna

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